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Versicherungsschutz im Praktikum: Was Praktikanten beachten müssen

Anastasia Johlen am 13.02.2019
ca. 1077 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 54 Sekunden
Versicherungsschutz im Praktikum: Was Praktikanten beachten müssen
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Inhalt:
  1. Was zahlen Sie während eines Praktikums für den Versicherungsschutz?
    1. Freiwilliges Praktikum: Versicherung & Kosten
    2. Sonderfall: Freiwilliges Vor- oder Nachpraktikum
    3. Pflichtpraktikum: Versicherung & Kosten
  2. Krankenversicherung im Praktikum
  3. Unfallversicherung im Praktikum
    1. Unfallversicherung und Leistungen
    2. Unfallversicherung im Auslandspraktikum
  4. Haftpflichtversicherung im Praktikum

Ein verstauchter Knöchel, ein Unfall im Betrieb, oder eine schwere Erkältung: Während eines Praktikums können Situationen eintreten, die eine gewisse Absicherung bedürfen. Im Praktikum lauern viele Gefahren, die ohne den richtigen Versicherungsschutz für den Praktikanten und den Betrieb Schwierigkeiten und sogar Kosten nach sich ziehen können. Greift die gesetzliche Unfallversicherung oder wie sind Sie krankenversichert? Wie Schützen sich vor möglichen Schadenersatzansprüchen? Was ist in Bezug auf die Krankenkassenbeiträge zu beachten? Erfahren Sie hier alles rund um den Versicherungsschutz im Praktikum.

Was zahlen Sie während eines Praktikums für den Versicherungsschutz?

Wie so oft muss auch für die Kosten in Bezug auf den Versicherungsschutz zwischen den verschiedenen Praktikumsarten unterschieden werden. Je nach Praktikumsart können unterschiedliche Beiträge beziehungsweise Kosten auf Sie zu kommen. Grob ist zwischen einem freiwilligen Praktikum und einem Pflichtpraktikum zu unterscheiden. Ebenfalls stehen Ihre Kosten in Abhängigkeit zur Dauer und Umfang des Praktikums.

Freiwilliges Praktikum: Versicherung & Kosten

Am einfachsten ist die Lage, wenn Sie ein freiwilliges Praktikum absolvieren, etwa in den Schul- oder Semesterferien. In der Regel sind Sie als Student oder Schüler an einen bestimmten Zeitraum gebunden, in welchem Sie das Praktikum ausüben. Sprich; die Dauer ist begrenzt. Dauert das Praktikum nicht länger als zwei Monate, müssen Sie sich versicherungstechnisch um nichts kümmern.

Für freiwillige Praktika während des Studiums gilt:

  • Verdienen Sie nicht mehr als 450 Euro im Monat, zählt das Praktikum als Minijob.
  • Minijobs sind versicherungsfrei, also auch das Praktikum bei Einhaltung der Bedingung.
  • Der Arbeitgeber (Praktikumsbetrieb) muss die Pauschalbeiträge für Kranken- und Rentenversicherung zahlen, sofern Sie gesetzlich versichert sind.
  • Sie tragen 3,7 Prozent zur Kranken- und Rentenversicherung bei (Beitragssatz seit 2015).
  • Als Minijobber können Sie sich auf Antrag von der Rentenversicherung befreien lassen (Nachteil: Zahlen Sie weniger in Ihre Rentenversicherung ein, bekommen Sie später auch weniger).
  • Verdienen Sie zwischen 451 und 850 Euro pro Monat im Praktikum gilt die Gleitzonenregel: Sie zahlen als Praktikant/Arbeitnehmer einen geringeren Anteil an Kranken-, Pflege-, Renten-, und
  • Arbeitslosenversicherung. Die Höhe des Anteils steigt mit Ihrem Lohn.
  • Verdienen Sie im Praktikum mehr als 850 Euro im Monat, teilen Sie sich die Sozialabgaben zur Hälfte mit Ihrem Praktikumsbetrieb (Arbeitgeber).

Sonderfall: Freiwilliges Vor- oder Nachpraktikum

Absolvieren Sie vor dem Studium ein freiwilliges Praktikum, sind Sie sozialversicherungspflichtig. Es gelten die Regelungen für kurzfristige Beschäftigungen und geringfügige Entlohnung.

Kurzfristige Beschäftigung: Praktikumsdauer beträgt weniger als zwei Monate am Stück oder 50 Tage im Jahr. Sie sind von der Sozialversicherung befreit.

Geringfügige Entlohnung: Verdienen Sie im Praktikum weniger als 450 Euro im Monat, hat der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag zu zahlen.

Pflichtpraktikum: Versicherung & Kosten

Wenn Sie ein Pflichtpraktikum absolvieren, etwa im Rahmen einer schulischen oder beruflichen Ausbildung, ist die Praktikumsvergütung sozialversicherungsfrei. In der Regel sind Praktikumsgeber nicht verpflichtet eine Vergütung im Pflichtpraktikum zu zahlen: Laut Gesetz besteht kein Anspruch auf eine Vergütung. Dennoch gibt es einige Praktikumsbetriebe, die den Einsatz ihrer Praktikanten mit einem freiwilligen Geldbetrag belohnen.

Absolvieren Sie ein Pflichtpraktikum vor dem Studium, sieht der Fall schon anders aus: Dann sind Sie dazu verpflichtet in die Sozialversicherung einzuzahlen. Wie hoch der Beitrag ist, hängt von dem Gehalt ab. Auch wenn Sie keine Vergütung erhalten, müssen Sie die kompletten Beiträge für die Krankenversicherung tragen. Falls Sie familienversichert sind, kommt es Ihnen zu gute: Sie müssen nicht die vollen Beiträge alleine tragen.

Für Pflichtpraktika vor dem Studium gilt:

  • Sie müssen als Praktikant in die Sozialversicherung einzahlen, die Höhe des Beitrags hängt vom Gehalt a
  • Keine Vergütung im Praktikum, keine Familienversicherung: Sie müssen die Beiträge für die Krankenversicherung im Praktikum komplett alleine zahlen
  • Verdienen Sie weniger als 325 Euro im Monat, übernimmt Ihr Arbeitgeber (Praktikumsbetrieb
  • Verdienen Sie mehr als 325 Euro im Monat, werden die Versicherungsbeiträge zwischen Praktikant und Arbeitgeber geteilt und Sie müssen Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung zahlen

Krankenversicherung im Praktikum

Mit Beginn des 25. Lebensjahrs endet der Anspruch auf Familienversicherung und Sie müssen sich eigenständig und auf eigene Kosten versichern. Wenn Sie noch Schüler oder Student sind, zahlen Sie in der Regel einen verringerten Krankenkassenbeitrag, etwa um die 80 Euro im Monat. Bei einem Verdienst von über 450 Euro im Monat erlischt die Familienversicherung ebenfalls, auch dann müssen Sie sich als Praktikant selbst versichern.

Die jeweiligen Beiträge zur Krankenversicherung im Praktikum, finden Sie oben aufgelistet bei den jeweiligen Praktikumsarten.

Unfallversicherung im Praktikum

Während des Praktikums hat der Arbeitgeber die Beiträge zur Unfallversicherung in voller Höhe zu zahlen. Der Versicherte, sprich Praktikant, hat keine Kosten für die Unfallversicherung zu tragen. Grundsätzlich sind Praktikanten in Deutschland durch die gesetzliche Unfallversicherung versichert.

Der jeweilige Versicherungsträger kann sich je nach Praktikumsart unterscheiden: So ist bei Praktika von Bildungseinrichtungen und Schulen der Praktikant im Versicherungsschutz der Unfallversicherung der Schule. Ansonsten greift die Unfallversicherung des jeweiligen Unternehmens, da der Praktikant dessen Unterweisungen unterliegt.

Es spielt dabei keine Rolle, wie viel Sie als Praktikant verdienen und wie lange das Praktikum dauert. Auch Praktika ohne Vergütung sind mit der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt. Für den Versicherungsschutz der Unfallversicherung ist es nicht entscheidend, ob es sich um ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum handelt.

Unfallversicherung und Leistungen

Die gesetzliche Unfallversicherung ist im Sozialgesetzbuch (SGB VII) genau definiert.

Folgende Schadensfälle sind abgedeckt:

  • Unfälle auf dem Weg zur Arbeit
  • Unfälle am Arbeitsplatz
  • Unfälle auf dem Weg von der Arbeit

Unfallversicherung im Auslandspraktikum

Falls Sie ein Praktikum im Ausland absolvieren, sollten Sie sich vorab umfangreich über Ihren Unfallversicherungsschutz informieren. Die gesetzliche Unfallversicherung greift im Ausland nicht.

Informieren Sie sich bitte bei Ihrem Praktikumsbetrieb im Ausland, ob eine Unfallversicherung durch diesen angeboten wird und welche Leistungen eingeschlossen sind. Am besten schließen Sie eine private Unfallversicherung ab, dann gilt der Schutz in der Regel weltweit.

Haftpflichtversicherung im Praktikum

Ebenfalls kann sich für Ihr Praktikum eine Haftpflichtversicherung anbieten, so bleiben Sie bei Verletzungen von Vertrags- oder Sorgfaltspflichten oder im Rahmen der Gefährdungshaftung auf keinen hohen Schadenersatzansprüchen sitzen. Eine Haftpflichtversicherung schützt Sie als Versicherter vor finanziellen Auswirkungen, wenn Sie unabsichtlich Schäden zugefügt haben.

Diese Schäden können je nach Berufsbranche unterschiedlich ausfallen. Absolvieren Sie etwa ein Praktikum in einem großen Produktionsunternehmen und Sie veranlassen aufgrund von Fehlern eine unbeabsichtigte Fehlproduktion oder beschädigen wichtige Maschinen, übernimmt die Haftpflicht in der Regel bestimmte Beträge der anfallenden Kosen. Die Höhe der Kostenübernahme hängt von den Leistungen und Deckungssummen der Haftpflichtversicherung ab. Erkundigen Sie sich am besten bei entsprechenden Anlaufstellen und Versicherungen.

Wenn Sie sich in Bezug auf Ihren Versicherungsschutz im Praktikum noch unsicher sind, schadet es nicht sich bei der Krankenkasse oder dem Praktikumsbetrieb zu erkundigen. Schließlich geht es um Ihren Schutz und Ihre Absicherung. Scheuen Sie sich nicht davor, alle Informationen einzufordern. Viel Erfolg bei Ihrem Praktikum und gutes Gelingen, hoffentlich ohne Krankheit, Unfall oder Schäden.