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Vergütung: Mindestlohn im Praktikum

Anastasia Johlen am 28.11.2018
ca. 950 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 27 Sekunden
Vergütung: Mindestlohn im Praktikum
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Inhalt:
  1. Mindestlohn: Was ist das?
  2. Wer ist vom Mindestlohn ausgeschlossen?
  3. Welche Praktika werden bezahlt?
  4. Bedingungen für den Mindestlohn während eines Praktikums
    1. Bedingung 1: Mindestens 18 Jahre
    2. Bedingung 2: Dauer des Praktikums
    3. Bedingung 3: Freiwilliges Praktikum
  5. Praktikumsvertrag regelt die Vergütung
  6. Vorteile vom Mindestlohn im Praktikum
    1. Vorteile für Arbeitgeber:
    2. Vorteile für Praktikanten:
  7. Nachteile vom Mindestlohn im Praktikum
    1. Nachteile für Arbeitgeber:
    2. Nachteile für Praktikanten:
  8. Fazit Mindestlohn im Praktikum

Sicherlich ist Ihnen bekannt, dass es in Deutschland einen Mindestlohn gibt und jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Mindestlohn hat. Auch während eines Praktikums besteht unter bestimmten Voraussetzungen der Anspruch auf den Mindestlohn von 8,84 Euro brutto pro Stunde (Stand Januar 2017). Aber wie wird das Praktikum mit dem Mindestlohn vergütet? Unter welchen Bedingungen besteht ein Anspruch auf Mindestlohn im Praktikum? Hier erfahren Sie, wann einem Praktikant bzw. einer Praktikantin der Mindestlohn zusteht.

Mindestlohn: Was ist das?

Bevor im Jahr 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde, waren viele Menschen nicht in der Lage, trotz Arbeit Ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Obwohl ein Vollzeit-Job ausgeübt wurde, konnten etliche von der Bezahlung nicht leben. Deshalb wurde der Mindestlohn eingeführt: Arbeitgeber müssen Ihren Mitarbeitern einen Lohn von mindestens 8,84 Euro brutto pro Stunde zahlen. Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle Arbeitnehmer über 18 Jahre. Generell haben so auch Praktikanten Anspruch auf den Mindestlohn, jedoch gibt es auch einige Ausnahmen.

Wer ist vom Mindestlohn ausgeschlossen?

  • Auszubildende
  • Selbstständige
  • Arbeitnehmer, die nach einem Tarifvertrag bezahlt werden

Welche Praktika werden bezahlt?

Generell gilt, dass freiwillige Praktika vergütet werden, jedoch Pflichtpraktika nicht. Absolvieren Sie ein Pflichtpraktikum im Rahmen Ihrer schulischen Ausbildung, sei es während der Ausbildung oder des Studiums, besteht kein Anspruch auf eine Vergütung. Hingegen werden in der Regel freiwillige Praktika zur Berufsorientierung, die länger als drei Monate dauern, mit dem Mindestlohn vergütet. Dauert das freiwillige Praktikum lediglich drei Monate ist das Unternehmen nicht verpflichtet, den Mindestlohn zu bezahlen.

Bedingungen für den Mindestlohn während eines Praktikums

Bedingung 1: Mindestens 18 Jahre

Damit Sie während des Praktikums mit dem Mindestlohn vergütet werden, müssen einige Bedingungen eingehalten werden. So müssen Sie mindestens 18 Jahre als sein, da der Mindestlohn nur für Erwachsene gilt. Minderjährige haben nur dann einen Anspruch, wenn sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen.

Durch diese Regelung soll verhindert werden, dass ein Praktikant einen vergleichsweise höheren Lohn erhält, als ein Auszubildender. Dadurch besteht die Gefahr, dass junge Menschen der Berufsausbildung das Praktikum vorziehen und keine berufliche Ausbildung stattfindet.

Bedingung 2: Dauer des Praktikums

Nur wenn Ihr Praktikum länger als drei Monate dauert, wird dieses nach dem Mindestlohn vergütet. Der Grund ist, dass ein Praktikant nicht von Beginn an einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens leistet. Am Anfang der Praktikumszeit ist eine Einarbeitung notwenig, die eher Zeit und Geld kostet.

Bedingung 3: Freiwilliges Praktikum

Nur wenn es sich um ein freiwilliges Praktikum aus eigenem Interesse handelt, greift der Mindestlohn. Jedoch gibt es auch bei dem freiwilligen Praktikum eine weitere Regelung, damit der Mindestlohn gezahlt wird: Nur, bei einem Praktikumszeitraum von mehr als drei Monaten besteht der Anspruch auf Mindestlohn, ansonsten ist keine Vergütung nach dem gesetzlichen Mindestlohn möglich.

Ausnahmeregelung für den Mindestlohn: Bei Langzeitarbeitslosen greift der Anspruch auf Mindestlohn erst nach sechs Monaten, unabhängig davon, ob es sich um ein Praktikum oder einen festen Job handelt.

Praktikumsvertrag regelt die Vergütung

Wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Anspruch auf eine Bezahlung während des Praktikums besteht, sollten Sie im Vorstellungsgespräch das Thema ansprechen. In einigen Fällen können Sie bereits aus dem Stellenausschreiben diese Information entnehmen. Haben Sie bereits den Praktikumsvertrag unterschrieben ohne Infos zur Vergütung erhalten zu habe? Dann werfen Sie einen Blick in Ihren Praktikumsvertrag, dort muss Ihr Praktikumsgehalt schriftlich festgehalten werden.

Vorteile vom Mindestlohn im Praktikum

Vorteile für Arbeitgeber:

Nicht nur Praktikanten profitieren vom Mindestlohn, da ihre Leistung finanziell ausgeglichen werden, auch Arbeitgeber. Hier wird die finanzielle Notlage andere Arbeitgeber zum Vorteil: Einige Unternehmen können es sich nicht leisten, Praktikanten zu bezahlen, sodass die Konkurrenz untereinander sinkt. Mehr qualifizierte Kandidaten für einen Praktikumsbereich verteilen sich auf eine geringere Anzahl an Unternehmen, Betriebe und Firmen. So sinkt mit dem Mindestlohn die Wettbewerbsfähigkeit unter den Arbeitgebern. Zusätzlich kann der Mindestlohn motivierend wirken, sodass Praktikanten bessere Arbeit leisten.

Vorteile für Praktikanten:

Praktikanten müssen aufgrund finanzieller Situationen nicht mehr auf ein Praktikum verzichten. So können junge Menschen auch mit einem Praktikum, welches vergütet wird, ihren Lebensunterhalt bestreiten. Denn oft werden lediglich wegen der Bezahlung Nebenjobs bevorzugt ausgewählt, obwohl diese nicht im eigentlich gewünschten Berufsfeld stattfinden.

Nachteile vom Mindestlohn im Praktikum

Nachteile für Arbeitgeber:

Einige Unternehmen können es sich seit der Einführung des Mindestlohn nicht mehr finanziell leisten Praktikanten zu beschäftigen. Das führt zu internen Einbüßen: So kann es sein, dass Mitarbeiter die Praktikantenaufgaben übernehmen und Überstunden schaffen. Ebenfalls umgehen viele Unternehmen den Mindestlohn, indem Sie Praktikanten nicht länger als für drei Monate einstellen. Der Mindestlohn wird so zwar umgangen, jedoch wechseln die Praktikanten so häufiger. Das bedeutet immer wieder neue Mitarbeiter, die eingearbeitet werden müssen.

Nachteile für Praktikanten:

Besonders Praktikanten, die sich für ein freiwilliges Praktikum interessieren, werden möglicherweise häufiger abgelehnt, auch wenn sie gute Voraussetzungen und Qualifikationen vorzuweisen haben. Der Grund ist, dass bevorzugt Pflichtpraktika angenommen werden, da diese vom Mindestlohn ausgeschlossen sind. Das bedeutet für das Unternehmen finanzielle Einsparnisse. Leider sind die finanziellen Ersparnisse auch der Grund für die geringere Auswahl an Praktikumsplätzen, denn viele Arbeitgeber können es sich aufgrund des Mindestlohns nicht mehr erlauben, Praktikanten einzustellen. Deshalb nimmt die Auswahl an verschiedenen Praktikumsstellen ab.

Ebenfalls ist es fraglich, ob Praktikanten überhaupt vom Mindestlohn profitieren, wenn Unternehmen und Firmen diesen geschickt umgehen können. Somit wird das eigentliche Problem der geringen Vergütung nicht behoben, sondern eher umgesiedelt. Die Praktikanten leiden unter der Umgehung des Mindestlohn: Da durch dreimonatige Praktika der Mindestlohn umgangen werden kann, büßen Praktikanten oft einiges an Erfahrungen ein. Die wertvollen ersten Berufserfahrungen und Eindrücke werden heruntergeschraubt auf ein Minimum an Wissen.

Fazit Mindestlohn im Praktikum

Auch wenn der Mindestlohn seine Vor- und Nachteile hat, wirkt dieser grundlegend gegen die Ausbeutung von Praktikanten und Praktikantinnen. In den meisten Fällen sorgt der Mindestlohn für eine leistungsgerechte Bezahlung, was sich besonders bei einem längeren Praktikum lohnt. Zusätzlich fühlen sich viele junge Menschen durch die Vergütung wertgeschätzt und leisten im Umkehrschluss bessere Arbeit.