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Tiere im Büro: Feelgood-Manager oder nerviger Störenfried?

Theresa Müller am 19.12.2019
ca. 1142 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 9 Sekunden
Tiere im Büro: Feelgood-Manager oder nerviger Störenfried?
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Inhalt:
  1. Warum soll man Tiere mit zur Arbeit nehmen?
  2. Wie wirkt sich ein Tier im Büro aus?
    1. Argumente für ein Tier im Büro:
  3. Was spricht gegen ein Tier im Büro?
  4. Tiere im Büro: Wer erlaubt das?
  5. Tiere am Arbeitsplatz: Welche Ausnahmeregelungen gibt es?
    1. Gleichberechtigung beim Thema Tiere am Arbeitsplatz
  6. Welche Haustiere sind für das Büro geeignet?
  7. Tiere im Job: So klappt es mit einem tierischen Büro-Kollegen
    1. 1. Absprachen vorher treffen
    2. 2. Haustier erziehen
    3. 3. Bedürfnisse des Tieres achten
    4. 4. Arbeitszeit bleibt Arbeitszeit
    5. 5. Vorsicht bei mehreren Bürotieren

Ein paar Streicheleinheiten am Schreibtisch, mittags eine große Gassi-Runde: Viele wünschen sich, ihr Haustier mit zur Arbeit zu nehmen. Vor allem der Hund ist als vierbeiniger Kollege sehr beliebt. Wie wirkt sich ein Tier im Büro auf das Arbeitsklima aus? Was spricht dagegen? Was ist zu beachten?

Warum soll man Tiere mit zur Arbeit nehmen?

Die Deutschen lieben Haustiere. Laut einer Studie lebt in 43 Prozent aller deutschen Haushalte mindestens eins. Insgesamt sind es in Deutschland rund 30 Millionen, hauptsächlich Katzen und Hunde. Haustiere wollen aber jeden Tag versorgt werden. Wenn die Tierbesitzer allerdings einem Vollzeitjob nachgehen, wird genau das schnell zum Problem. Wer füttert meine Katze, wenn ich arbeiten bin? Wer geht mit dem Hund Gassi?

Viele kümmern sich auch lieber selber um ihre Schützlinge, bevor sie jemand anderen fragen. Die ideale Lösung wäre also: Das Tier einfach mit zur Arbeit nehmen und es in den Pausen selber versorgen.

Wie wirkt sich ein Tier im Büro aus?

Ein Tier mit ins Büro zu nehmen, davon hat nicht nur der Arbeitnehmer etwas. Sonst würden beim Hauptsitz von Amazon in Seattle mit rund 40000 Mitarbeitern bestimmt nicht täglich um die 6000 Hunde ein und aus gehen. Viele, wie zum Beispiel der Bundesverband Bürohund e. V., sprechen von einer positiven Wirkung von insbesondere Hunden am Arbeitsplatz. Auch Agenturen oder Start-ups beschäftigen oft einen Mitarbeiter auf vier Pfoten und verpassen ihm Stellenbezeichnungen wie ein Feelgood-Manger.

Argumente für ein Tier im Büro:

  • Stressverminderung und dadurch geringere Burnout-Gefährdung: Beim Streicheln eines Tieres wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet während Stresshormone wie Cortisol reduziert werden. Die Mitarbeiter sind motivierter, das Arbeitsklima positiver.
  • Anstieg der Produktivität: Da man sich um das Tier kümmert oder mit ihm zwischendurch Zeit verbringt, lenkt man sich zwischendurch von der Arbeit ab. Das tut dem Gehirn gut.
  • Mehr Bewegung: Eine Gassi-Runde jeden Mittag und an der frischen Luft ist gut für die Gesundheit.
  • Verbesserung der Kommunikationskultur: Man hat auch mit Kollegen, mit denen man sonst selten spricht, ein gemeinsames Gesprächsthema.
  • Mitarbeiter-Benefit: Unternehmen, in denen Tiere willkommen sind, sind attraktiver für viele Arbeitnehmer.

Was spricht gegen ein Tier im Büro?

Es gibt auch Aspekte, die dagegen sprechen, ein Tier mit ins Büro zu nehmen:

  • Nicht jeder mag Tiere: Während die einen durch die Anwesenheit eines Tieres motivierter werden, sind die anderen vielleicht genervt und frustriert. Oder haben im schlimmsten Fall sogar Angst vor dem
  • Gesundheitsrisiko: Andere Mitarbeiter oder Kunden sind eventuell allergisch gegen
  • Ablenkung: Eins zum Beispiel ständig bellender Hund trägt nicht zu einer produktiven Arbeitsatmosphäre
  • Sauberkeit: Haustiere machen bekanntlich auch Dreck, zum Beispiel weil sie Haare verlieren. Eventuell kommen also durch ein Tier im Büro erhöhte Reinigungskosten auf das Unternehmen
  • Sachschaden: Es kann vorkommen, dass ein Tier im Büro einen Sachschaden anrichtet. Wenn vorher mit dem Tierhalter geregelt wurde, dass dieser für den Schaden aufkommen muss, fallen für das Unternehmen zwar keine zusätzlichen Kosten, dafür aber ein Mehraufwand an – beispielsweise weil zerstörte Gegenstände ersetzt werden müssen.

Tiere im Büro: Wer erlaubt das?

Laut Arbeitsrecht ist die Mitnahme eines Tieres weder erlaubt noch verboten. Das bedeutet: Wollen Sie Ihr Haustier mit zur Arbeit nehmen, müssen Sie erst mit Ihrem Arbeitgeber sprechen. Denn dieser darf entscheiden, ob er Haustiere in seinem Unternehmen zulässt oder nicht.

Auch darf er die Anwesenheit an bestimmte Voraussetzungen knüpfen, zum Beispiel eine Maximalgröße bei Hunden festlegen. Denn oft geraten Eigentum des Arbeitgebers, andere Arbeitnehmer oder Kunden mit dem Haustier in Kontakt. Holt sich der Arbeitnehmer keine Erlaubnis ein, drohen ihm Konsequenzen: eine Abmahnung oder bei Wiederholung sogar die Kündigung.

Tiere am Arbeitsplatz: Welche Ausnahmeregelungen gibt es?

Es gibt Ausnahmen, wann nicht der Chef entscheidet, ob ein Tier erlaubt ist oder nicht. Beispielsweise können bereits Sicherheits- oder Hygienevorschriften, zum Beispiel in einer Produktionshalle oder in der Küche eines Restaurants, die Mitnahme eines Haustiers grundsätzlich verbieten.

Aufgrund einer Rücksichtnahmepflicht im Arbeitsvertrag kann aber auch eine Pflicht zur Erlaubnis bestehen. Dies tritt ein, wenn keine Interessen des Arbeitgebers durch das Tier berührt werden, zum Beispiel weil ein Arbeitnehmer ausschließlich im Home Office arbeitet.

Gleichberechtigung beim Thema Tiere am Arbeitsplatz

Es gilt aber auch der Gleichbehandlungsgrundsatz. Hat der Chef einer Mitarbeiterin aus der Buchhaltung erlaubt, ihr Tier mitzubringen, dann kann sich die Empfangsmitarbeiterin darauf berufen, solange keine Gründe das Verbot rechtfertigen. Ein Grund könnte zum Beispiel sein, dass die eine Mitarbeiterin direkten Kundenkontakt hat und die andere nicht.

Sind Mitarbeiter aus gesundheitlichen Gründen auf das Tier angewiesen, ist dieses grundsätzlich auch erlaubt. Benötigt beispielsweise ein blinder Mitarbeiter einen Blindenhund, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen, dann gehört der Hund zur behindertengerechten Arbeitsplatzgestaltung.

Welche Haustiere sind für das Büro geeignet?

Nicht alle Haustiere sind als Bürotiere geeignet. Wichtig ist, dass man auf die Bedürfnisse des Tieres achtet. Katzen zum Beispiel verlassen ungerne ihre gewohnte Umgebung und sind deswegen eher weniger als Bürotiere geeignet, wenn ein weiter Weg zur Arbeit zurückgelegt werden muss.

Hamster sind nachtaktiv. Auch sie würden sich tagsüber in einem lauten und hellem Büro nicht wohlfühlen. Als Bürotier geeignet sind dagegen Hunde. Sie stört ein Ortswechsel in der Regel nicht so stark – solange sie bei ihrem Herrchen sind. Auch mögen Hunde viel Beschäftigung und Menschenkontakt.

Natürlich spielt auch immer der Charakter des Tieres eine Rolle. Nicht jeder Hund ist automatisch ein guter Bürohund. Tiere, die sehr oft bellen oder schnell aggressiv gegenüber Fremden werden, sollten besser zu Hause bleiben.

Tiere im Job: So klappt es mit einem tierischen Büro-Kollegen

1. Absprachen vorher treffen

Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Chef und bitten ihn um Erlaubnis. Informieren Sie auch vorher Ihre Kollegen, ob alle einverstanden sind. Auch ist dies wichtig, um zu klären, ob jemand allergisch oder Angst vor dem Tier hat. Auch lassen sich Regeln festlegen, zum Beispiel, dass das Tier nur in die Etagen darf, in die Kunden keinen Zutritt haben.

2. Haustier erziehen

Achten Sie darauf, dass Ihr Tier gut erzogen ist. Wenn Sie quer durch das Büro schreien müssen, damit Ihr Hund auf Sie hört oder er jeden einmal zur Begrüßung anspringt, dann wirkt das schnell störend und der Traum Bürotier wird schnell zum Albtraum.

3. Bedürfnisse des Tieres achten

Ihr Tier soll sich in Ihrem Büro wohlfühlen. Dafür benötigt es einen Rückzugsort, zum Beispiel ein Körbchen. Außerdem sollten dem Tier Wasser zur Verfügung stehen und Fütterungs- sowie Gassizeiten soweit wie möglich eingehalten werden.

4. Arbeitszeit bleibt Arbeitszeit

Ihre Arbeitszeit ist zum Arbeiten da. Es spricht mit Sicherheit nichts dagegen, wenn Sie Ihr Tier während der Arbeitszeit mal streicheln, aber längeres Spielen oder Spaziergänge sollten Sie auf die Pausen beschränken.

5. Vorsicht bei mehreren Bürotieren

Sind in Ihrem Unternehmen Haustiere erlaubt, dann bringen mit Sicherheit weitere Kollegen Haustiere mit. Seien Sie beim ersten Aufeinandertreffen der Haustiere vorsichtig. Katzen und Hunde verstehen sich meist nicht, auch einige Hunde können sich gar nicht riechen. Bevor es noch zu Verletzungen kommt, zum Beispiel weil ein Hund den anderen beißt, sollten sich die neuen vierbeinigen Kollegen erst an der Leine kennenlernen oder Sie vermeiden ein Aufeinandertreffen.