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Praktikumszeugnis: Was steckt hinter den Codes & Formulierungen?

Anastasia Johlen am 14.03.2019
ca. 919 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 20 Sekunden
Praktikumszeugnis: Was steckt hinter den Codes & Formulierungen?
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Inhalt:
  1. Hat jeder Praktikant einen Anspruch auf das Zeugnis?
  2. Was bringt ein Praktikumszeugnis?
  3. Was beinhaltet ein Praktikumszeugnis?
    1. Aufgabenbereiche im Praktikum
    2. Leistungsbeurteilung
    3. Überblick: Das muss im Praktikumszeugnis stehen
  4. Die Sprache im Praktikumszeugnis: Was bedeutet es?
    1. Praktikumszeugnis: Noten in Worten
    2. Signalwörter für überdurchschnittliche Leistung
    3. Beispiele für Geheimcodes im Praktikumszeugnis
  5. Obligatorisches Ende: Vielen Dank für die Blumen
  6. Schlechtes Praktikumszeugnis: Muss nicht immer Absicht sein!

Irgendwann geht auch das schönste oder schlimmste Praktikum zu Ende. Das ist sicher. Doch was in Ihrem Praktikumszeugnis steht, ist für viele nicht ganz so sicher. Schwammige Formulierungen und scheinbar positive Beurteilungen. Steckt da doch mehr hinter? Erfahren Sie hier alles rund um das Praktikumszeugnis und was für eine Bedeutung die typischen Formulierungen haben. 

Hat jeder Praktikant einen Anspruch auf das Zeugnis?

Als Praktikant ist es Ihr gutes Recht ein Zeugnis zu erhalten. Oft ist es für die Arbeitgeber selbstverständlich ihren Praktikanten eine Beurteilung in Form eines Zeugnisses auszustellen. Das Praktikumszeugnis ist nicht nur für Sie wichtig, es dient auch als Nachweis für das absolvierte Praktikum. 

Weigert sich ein Praktikumsbetrieb das Zeugnis auszustellen, können Sie sich auf § 109 aus der Gewerbeordnung beziehen. Dort steht, dass der Arbeitnehmer bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis hat. Auch Praktikanten gelten als Arbeitnehmer und haben dieselben Ansprüche. 

Was bringt ein Praktikumszeugnis?

Ein Praktikumszeugnis gilt als wichtiger Nachweis für die Zeit, die Sie in einem Betrieb verbracht haben. Durch ein Praktikum erhalten Sie nicht nur Einblicke in einen bestimmten Beruf und in die Arbeitsweisen einer Branche, Sie erhalten dadurch auch gewisse Berufserfahrungen.

Hinterlassen Sie einen guten Eindruck bei Ihrem Arbeitgeber, wird sich dieser im Praktikumszeugnis spiegeln. Mit einem guten Praktikumszeugnis können Sie sich die Türen zu weiteren Praktika oder Ihrem Traumjob öffnen.

Was beinhaltet ein Praktikumszeugnis?

In dem Praktikumszeugnis muss eine allgemeine Bewertung der erbrachten Leistungen des Praktikanten aufgeführt werden. Zusätzlich schätzt der Arbeitgeber die fachlichen Qualifikationen und Soft Skills des Praktikanten ein. Zu der Beurteilung gehört auch das Verhalten des Praktikanten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten. 

Aufgabenbereiche im Praktikum

Weiterhin muss der Arbeitgeber angeben, in welcher Abteilung Sie als Praktikant tätig waren und welche Aufgaben und Tätigkeiten durchgeführt wurden. Was gehörte zu Ihren täglichen Aufgaben, wie sah Ihr Tagesablauf aus und an welchen Projekten haben Sie mitgearbeitet?

Wenn Sie während des Praktikums bestimmte Fähigkeiten erlernt haben, etwa der Umgang mit einem bestimmten Programm oder bestimmte Abläufe an Maschinen etc., sollten auch diese Informationen im Praktikumszeugnis stehen.

Leistungsbeurteilung

Damit das Zeugnis einen umfassenden Einblick in die Fertigkeiten und Fähigkeiten des Praktikanten gibt, sollte der Arbeitgeber auch die fachliche und persönliche Kompetenz des Praktikanten einschätzen und beurteilen. 

Diese Punkte gehören zur Leistungsbeurteilung

  • Arbeitsweise und Arbeitseffizienz
  • Auffassungsgabe
  • Belastbarkeit
  • Selbstständigkeit
  • Flexibilität
  • Engagement
  • Sozialverhalten und Teamfähigkeit
  • Fachwissen 
  • Zuverlässigkeit

Überblick: Das muss im Praktikumszeugnis stehen

  • Überschrift: Zeugnis oder Praktikumszeugnis
  • Name und Geburtsdatum des Praktikanten
  • Unternehmen (Name, Anschrift, Ansprechpartner)
  • Praktikumsdauer
  • Einsatzbereiche (qualifizierte Arbeiten)
  • Bewertung der Kompetenzen
  • Allgemeine Beurteilung der Leistungen
  • Schlussfloskel (Dank und Wünsche)

Die Sprache im Praktikumszeugnis: Was bedeutet es?

Obwohl in der Theorie Geheimcodes und versteckte Inhalte in Arbeits- und Praktikumszeugnissen verboten sind, gehören diese zur Praxis. Üblicherweise sind Arbeitszeugnis in einer Geheimsprache verfasst, welche Aussagen über den Arbeitnehmer treffen.

Eigentlich dürfen Formulierungen im Arbeit- bzw. Praktikumszeugnis keinen bestimmten Unterton haben, dennoch hat sich im Laufe der Zeit eine gewisse Zeugnissprache entwickelt. So ist zwischen den Zeilen viel mehr zu lesen, als auf den ersten Blick. 

Durch diese Formulierungen und den Zeugniscode, erkennen erfahrene Arbeitgeber relativ schnell, ob es sich um ein gutes oder eher schlechtes Arbeitszeugnis handelt. Im Praktikumszeugnis werden keine Noten vergeben, jedoch kann durch bestimmte Adverbien, z. B. immer, sehr, stets, und Adjektive, z. B. groß, hervorragend, hoch, voll, die Leistung aufgewertet werden.

Praktikumszeugnis: Noten in Worten

Note 1/ sehr gut: Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt
Note 2/ gut: stets u unserer vollen Zufriedenheit / zu unserer vollsten Zufriedenheit
Note 3/ befriedigend: zu unserer vollen Zufriedenheit
Note 4/ ausreichend: zu unserer Zufriedenheit
Note 5 / mangelhaft: hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden

Signalwörter für überdurchschnittliche Leistung

  • ausgesprochen
  • außerordentlich
  • außergewöhnlich
  • hervor- oder herausragend
  • ausgezeichnet
  • In hohem oder höchstem Maß 

Beispiele für Geheimcodes im Praktikumszeugnis

1. Der Praktikant/ Arbeitnehmer war sehr gesellig 

Bedeutung: Der Praktikant hatte ein Alkoholproblem.

2. Mit den Vorgesetzten ist der Praktikant gut zurechtgekommen.

Bedeutung: Der Praktikant ist ein Mitläufer und hat keine Eigeninitiativ

3. Der Praktikant bewies für die Belange der Mitarbeiter immer Einfühlungsvermögen.

Bedeutung: Der Praktikant hat mit anderen Mitarbeitern geflirtet bzw. hatte sexuelle Kontakte mit anderen Mitarbeitern. Lautet die Formulierung „umfassendes Einfühlungsvermögen“ bezieht sich der Satz auf homosexuelle Kontakte mit Mitarbeitern.

4. Im Umgang mit Mitarbeitern und Vorgesetzten zeigte der Praktikant eine erfrischende Offenheit.

Bedeutung: Der Praktikant war frech zu seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern.

5. Der Praktikant verfügt über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.

Bedeutung: Der Praktikant überspielt mit Arroganz das mangelnde Fachwissen.

6. Der Praktikant erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß.

Bedeutung: Der Praktikant war zu bürokratisch und zeigte keine Eigeninitiative.

Obligatorisches Ende: Vielen Dank für die Blumen

Am Ende ist es in einem Zeugnis obligatorisch, dass der Arbeitgeber sein Bedauern über das Ende des Praktikums ausdrückt und dem Praktikanten für die geleistete Arbeit dankt. 

Finden Sie diese Floskel nicht am Ende, bedeutet das, dass Sie der Praktikumsgeber nicht vermisst. Und das ist auch ein deutliches Signal für andere Unternehmen und Arbeitgeber.

Schlechtes Praktikumszeugnis: Muss nicht immer Absicht sein!

Wenn Ihr Praktikumszeugnis überraschend negativ ausfällt, muss das nicht immer daran liegen, dass Sie Ihren Arbeitgeber nicht zufrieden gestellt haben. Nicht immer wissen die Vorgesetzten oder Verfasser eines Arbeitszeugnis über die negativ klingenden Formulierungen bescheid. Dem Verfasser sind die Gepflogenheiten und ungeschriebenen Regeln des Arbeitszeugnisses nicht bewusst. 

Deshalb sollten Sie unbedingt mit dem Verantwortlichen sprechen, wenn Ihnen sprachliche Formulierungen auffallen, die nicht der Realität entsprechen. Werden Sie als gesellig beschrieben, steht das oft für einen übermäßigen Alkoholkonsum. Trifft diese Tatsache nicht zu, sollten Sie unbedingt das Gespräch aufsuchen. 

Insgesamt bleibt es sehr fraglich, inwiefern dies Geheimcodes in Zeugnissen immer korrekt verstanden und aufgenommen werden.