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Praktikanten einstellen: Was müssen Arbeitgeber beachten?

Anastasia Johlen am 15.01.2019
ca. 1071 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 53 Sekunden
Praktikanten einstellen: Was müssen Arbeitgeber beachten?
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Inhalt:
  1. Rechtliche Rahmenbedingungen für Praktikanten schaffen
  2. Grundlage: Unterschied freiwilliges Praktikum & Pflichtpraktikum 
  3. Anspruch: Vorsicht bei freiwilligen Praktika
  4. Praktikanten und Arbeitsschutz
  5. Welche Versicherungspflichten bestehen?
  6. Praktikumsvertrag: Notwendig oder unnötig?
  7. Der richtige Umgang mit einem Praktikanten

Praktika sind nicht nur bei jungen Menschen beliebt: Immer mehr Arbeitgeber haben in Ihren Unternehmen, Betrieben und Firmen freie Praktikumsstellen zu vergeben. Für Praktikanten steht ein Praktikumsplatz im Zusammenhang mit einer Bewerbung und entsprechenden Qualifikationen. Aber was muss eigentlich der Arbeitgeber bei der Einstellung von Praktikanten beachten? Informieren Sie sich hier über das Arbeitsrecht und was Sie bei Praktikanten beachten müssen.

Rechtliche Rahmenbedingungen für Praktikanten schaffen

Möchten Sie in Ihrem Unternehmen Praktikanten beschäftigen, sollten Sie sich vorher über rechtliche Vorgaben und Fallstricke informieren. Am besten arbeiten Sie eng mit Ihrem Steuerberater zusammen. Es muss Ihnen bewusst sein, dass Praktikanten eine Betreuung benötigen, sowie Zeit und Lerninhalte. Es handelt sich nicht um eine praktische Ausbeutung von Arbeitskräften, vielmehr sollten Sie Praktikumsstellen als Chance sehen, Ihr Unternehmen beziehungsweise den Beruf vorzustellen und schmackhaft zu machen.

Grundlage: Unterschied freiwilliges Praktikum & Pflichtpraktikum 

Praktika dienen in erster Linie als Einblick in die jeweiligen Tätigkeiten sowie als erste Berufserfahrung. Deshalb sollten Sie als Arbeitgeber Praktikanten auf keinen Fall als billige Arbeitskraft verstehen. Besonders in Handwerksbetrieben sind einige Praktikanten noch unter 18 Jahre, sodass in dem Fall das Jugendarbeitsschutzgesetz greift. 

Entscheidend bei Rechten & Pflichten für Praktikanten ist, um welche Art Praktikum es sich handelt. Während bei einem Schüler- oder Pflichtpraktikum die Rechte und Pflichten durch Schul-Ausbildungs- oder Studienordnung geregelt sind, gelten Praktikanten eines freiwilligen Praktikums als Arbeitnehmer. Jedoch gilt für alle Praktika: Ebenso wie bei einem Berufsausbildungsverhältnis prägt der Ausbildungszweck den Vertragsinhalt.

Anspruch: Vorsicht bei freiwilligen Praktika

Stehen bei einem Pflichtpraktikum die Lerninhalte und Berufserfahrungen im Vordergrund, steht die Arbeitsleitung bei einem freiwilligen Praktikum im Mittelpunkt. Arbeitgeber müssen bei Pflichtpraktika bedenken, dass die Praktikanten dieselben Rechte wie „normale“ Arbeitnehmer haben. 

Anspruch bei freiwilligen Praktika:

  • Urlaub: Jugendliche haben einen Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Tagen im Jahr. Für die vollen 20 Urlaubstage muss der Praktikant fünf Tage in der Woche arbeiten. Voraussetzung für den Urlaub ist, dass das Praktikum länger als vier Wochen dauert.
  • Vergütung: Während eines freiwilligen Praktikums, welches mehr als vier Wochen geht, besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Dauert das Praktikum länger als drei Monate, müssen Sie als Arbeitgeber den aktuellen Mindestlohn für den Praktikanten zahlen. Der Grund dafür ist, dass Sie als Unternehmen den Praktikanten zunächst einarbeiten müssen und keinen wirtschaftlichen Erfolg haben, wenn lediglich Praktika für vier Wochen absolviert werden. Deshalb greift der Mindestlohn erst bei Praktika von drei Monaten oder mehr.
  • Kündigung: Sie als Arbeitgeber dürfen nur aus wichtigem Grund kündigen, hingegen kann der Praktikant mit einer Mindestfrist von vier Wochen die Kündigung einreichen.
  • Praktikumszeugnis: Der Anspruch auf ein Zeugnis besteht auch im Praktikum. Mindestens ein einfaches Zeugnis muss ausgestellt werden. Jedoch steht der Arbeitgeber nicht in der Pflicht ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen, doch nur das bringt dem Jugendlichen etwas.

Bei einem Pflichtpraktikum bestehen diese Ansprüche nicht, so gibt es keinen Lohn noch Urlaub. Einige Arbeitgeber zahlen den Praktikanten dennoch einen kleinen Lohn aus und schreiben auch ein Praktikumszeugnis. Viel wichtiger ist jedoch, die Praktikumsbescheinigung, welche die Schüler und Studenten für Schule oder Universität ausgehändigt bekommen müssen.

Praktikanten und Arbeitsschutz

Sie müssen als Arbeitgeber gewährleisten, dass alle Rechte und Vorschriften für Praktikanten eingehalten werden. So dürfen Jugendliche in der Regel nicht mehr als acht Stunden beziehungsweise zehn Schichtstunden und maximal 40 Stunden in der Woche arbeiten. Während eines Praktikums gilt grundsätzlich die Fünf-Tage-Woche, das heißt am Samstag und Sonntag findet keine Arbeit für Praktikanten statt.

Jugendliche dürfen in der Regel zwischen 6 und 20 Uhr arbeiten. In einigen Branchen mit besonderem Arbeitsrhythmus gelten andere Maßstäbe. Beispielsweise dürfen 16-Jährige Praktikanten in einer Bäckerei bereits um 5 Uhr beginnen, 17-Jährige sogar bereits um 4 Uhr. 

Welche Versicherungspflichten bestehen?

Auch bei der Frage der Versicherung wird vom Gesetzgeber zwischen freiwilligen Praktikum und Pflichtpraktikum unterschieden. Ob die Sozialversicherungspflicht besteht, hängt davon ab, ob Sie den Praktikanten vergüten und in welcher Höhe.

Bei Pflichtpraktika besteht grundsätzlich zunächst keine Versicherungspflicht für Arbeitslosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Jedoch sollten die jeweiligen Fälle individuell betrachtet werden. Erhält der Praktikant während des Pflichtpraktikums etwa eine Vergütung von mehr als 450 Euro monatlich, kann eine Versicherungspflicht in Kraft treten. Alle Praktikanten in Ihrem Betrieb oder Unternehmen müssen unfallversichert sein, egal ob freiwilliges oder Pflichtpraktikum. Die Unfallversicherung läuft entweder über die Schule oder über Ihren Betrieb.

Handelt es sich um ein freiwilliges Praktikum mit Vergütung, müssen Sie den Praktikanten in jedem Fall bei der Sozialversicherung melden. Für die Zahlung der Beiträge gelten dieselben Regeln wie bei Arbeitnehmern. Generell gilt, dass Schüler maximal vier Wochen im Jahr Praktika ohne Versicherungspflicht absolvieren dürfen. Das ganz hängt aber wieder mit der Höhe der Bezahlung zusammen. Ist ein Praktikant älter als 18 Jahre und innerhalb eines Jahres länger als acht Wochen in Betrieben, besteht eine Versicherungspflicht. 

Steht also fest, welcher Praktikant warum wie lange ein Praktikum zu welchem Entgelt macht, lässt sich schnell prüfen, ob eine Versicherungspflicht besteht oder nicht. Dies können Sie generell in den sozialversicherungsrechtlichen Richtlinien der Krankenkassen nachsehen. Sind Sie sich in einigen Fällen bei der Versicherungspflicht als Arbeitgeber nicht sicher? Dann erkundigen Sie sich bei den Krankenkassen oder der Handwerkskammer.

Praktikumsvertrag: Notwendig oder unnötig?

Grundsätzlich sind deutsche Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, ein Praktikumsverhältnis vertraglich festzuhalten. Trotzdem wird Ihnen als Arbeitgeber dazu geraten, denn dadurch sind beide Seiten abgesichert.

Was ein Praktikumsvertrag beinhalten kann:

  • Zeitraum des Praktikums
  • Arbeitszeiten (Beginn bis Ende)
  • wie viel Wochenstunden der Praktikant arbeitet
  • Urlaubsanspruch/ Urlaubstage des Praktikanten
  • Regelungen im Krankheitsfall
  • Aufgabenbereich/ Tätigkeitsfeld 
  • Verschwiegenheitsklausel

Der richtige Umgang mit einem Praktikanten

In vielen Unternehmen herrscht die Annahme, dass Praktikanten „minderwertige“ Mitarbeiter sind. Leider werden einige Praktikanten auch dementsprechend behandelt, was jedoch vollkommen unangebracht und unprofessionell ist. In einigen Situationen ist dieses Verhalten der Mitarbeiter in Unternehmen für die Praktikanten sogar erniedrigend.

Stellen Sie einen Praktikanten ein, dann nur, wenn Sie diesen auf Augenhöhe behandeln und zusammenarbeiten. Mit den Praktikanten an Einblicken in das Berufsleben arbeiten und nicht gegen den jungen Menschen arbeiten. Der Sinn eines Praktikums ist nicht billige oder kostenlose Arbeitskräfte anzusammeln, sondern jungen Menschen beim Karriere-Einstieg zu helfen. Erste Erfahrungen in der Arbeitswelt werden gesammelt und Fähigkeiten in die Praxis umgesetzt. Vielleicht entdecken Sie in einem Praktikanten einen hoch motivierten jungen Menschen, der in Zukunft Ihr Unternehmen unterstützt.

Richtiger Umgang mit Praktikanten

  • Respektvolle Kommunikation
  • Verschiedene (verantwortungsvolle) Aufgaben übergeben
  • Einblicke in unterschiedliche Unternehmensbereiche gewähren
  • in Team-Aktivitäten einbinden

Möchten Sie immer noch Praktikanten in Ihrem Unternehmen betreuen? Dann klicken Sie auf den Bereich für Arbeitgeber hier auf praktikumsplatz.info und inserieren Sie Ihre freien Praktikumsstellen innerhalb von 24 Stunden. Viel Erfolg bei der Suche nach den richtigen Praktikanten.