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Der Praktikumsvertrag: Inhalte & Muster

Anastasia Johlen am 18.01.2019
ca. 1389 Worte
ungefähre Lesezeit 5 Minuten 3 Sekunden
Der Praktikumsvertrag: Inhalte & Muster
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Inhalt:
  1. Was steckt hinter einem Praktikum?
  2. Wieso ist ein Praktikumsvertrag sinnvoll?
  3. Arbeitsrechtliche Schutzbestimmung auch bei Praktikanten?
  4. Was gehört in den Praktikumsvertrag?
    1. Inhalte eines Praktikumsvertrags:
  5. Freiwilliges Praktikum oder Pflichtpraktikum: Spielt das eine Rolle?
  6. Vorlage: Muster Praktikumsvertrag

Egal ob als Praktikant oder Arbeitgeber, für beide Seiten gilt ein Praktikumsvertrag als Absicherung. Besonders bei freiwilligen Praktika sollte eine schriftliche Vereinbarung zwischen beiden Parteien stattfinden. Zwar ist laut Gesetzgebung ein schriftlicher Vertrag keine Pflicht, dennoch dient dieser als wichtige rechtliche Absicherung. Aber was genau gehört in einen Praktikumsvertrag? Praktikumsplatz.info beantwortet Ihnen die wichtigsten Fragen rund um das Thema Praktikumsvertrag. 

Was steckt hinter einem Praktikum?

Generell dient ein Praktikum als Tür ins Berufsleben: Die Praktikanten sollen einen Beruf, dessen betrieblichen Abläufe und Organisationseinheiten, kennenlernen. Durch diese Einblicke in die Arbeitswelt sollen die jungen Menschen entscheiden, welcher Beruf zu ihnen passt. Es werden erste berufliche Erfahrungen gesammelt, die oft für weitere berufliche Schritte nicht unwichtig sind. Absolviert ein Praktikant ein freiwilliges Praktikum besteht zwischen ihm und dem Unternehmen eine Art Arbeitsverhältnis, auch wenn die Arbeitsleistung eigentlich nicht im Fokus steht.

Wieso ist ein Praktikumsvertrag sinnvoll?

Mit der schriftlichen Vereinbarung zwischen Unternehmen und Praktikant existiert eine rechtliche Sicherheit. Der Praktikant wird über seine Rechten und Pflichten während des Praktikums aufgeklärt und das Unternehmen kann die Rahmenbedingungen des Praktikums festlegen. Im Fall der Fälle hat der Praktikant und der Arbeitgeber etwas in der Hand. 

Als Praktikant sollten Sie auf einen Praktikumsvertrag in Schriftform bestehen, auch während eines Pflichtpraktikums. Üblicherweise ist es mittlerweile gang und gäbe, dass ein Praktikumsvertrag aufgesetzt wird.

Arbeitsrechtliche Schutzbestimmung auch bei Praktikanten?

Entgegen der Annahme vieler Unternehmen sind Praktikanten keine billigen Arbeitskräfte. Vielmehr steht das Unternehmen in der Pflicht berufliche Inhalte zu vermitteln. Der wirtschaftliche Erfolg durch einen Praktikanten sollte in keinem Unternehmen im Vordergrund stehen. Praktika dienen zur Berufsorientierung, sodass junge Menschen in viele verschiedene Berufsfelder schnuppern können.

Praktikanten stehen in keinem regulären Beschäftigungsverhältnis zu den Unternehmen, vielmehr gelten sie in der Regel als Lehrling, nicht als Arbeitnehmer. So steht also die Ausbildungsabsicht im Vordergrund. Dennoch gelten auch für einige Praktikanten arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen. In einigen Situationen erhalten die Praktikanten sogar eine Vergütung, sodass sie dieselben rechtlichen Ansprüche, wie normale Arbeitnehmer haben. 

Was gehört in den Praktikumsvertrag?

Laut Berufsbildungsgesetz besteht zwar keine Pflicht für einen schriftlichen Vertrag zwischen Praktikant und Unternehmen, dennoch ist es sehr zu empfehlen. Welche Inhalte sollten auf jeden Fall festgehalten werden? 

Ähnlich wie bei einem anderen Arbeitsvertrag sollten die Rechten und Pflichten geklärt werden. So kann sich ein Unternehmen mit der Gestaltung des Praktikumsvertrags etwa an das Berufsbildungsgesetz § 10 und § 11 anlehnen. Ein Muster zur Orientierung erhalten Sie etwa bei der IHK (Industrie- und Handelskammer), aber auch am Ende dieses Artikels. Bedenken Sie als Arbeitgeber, dass Sie das Muster nicht eins zu eins übernehmen und an die individuellen Bedingungen des jeweiligen Praktikums anpassen.

Inhalte eines Praktikumsvertrags:

  • Name und Anschrift der Vertragspartner
  • Praktikumsart: freiwilliges oder Pflichtpraktikum?
  • Dauer des Praktikums
  • Einsatzbereich des Praktikanten
  • Wöchentliche Arbeitszeiten
  • Pflichten des Praktikumsunternehmens (Aufgaben, Haftungsfragen, Vertraulichkeit, Erstellung eines Praktikumszeugnisses)
  • Pflichten des Praktikanten (Einhalten der Praktikumsordnung/Vorschriften, Stillschweigen, Verhalten bei Verhinderung/Krankheit)
  • Angaben zu Kündigungsfristen/zur Probezeit
  • Ort, Datum und Unterschriften der Vertragsparteien

Ein Praktikumsvertrag sollte an die Art des Praktikums angepasst werden und sich auf den jeweiligen Einsatzbereich beziehen. Weiterhin können die Anforderungen des Unternehmens und die Tätigkeitsfelder festgehalten werden.

Freiwilliges Praktikum oder Pflichtpraktikum: Spielt das eine Rolle?

Je nachdem, ob es sich um ein freiwilliges Praktikum oder ein Pflichtpraktikum handelt, muss die Vereinbarung zwischen Praktikant und Unternehmen angepasst werden. Die Art des Praktikums nimmt Einfluss auf den Urlaubsanspruch, Sozialversicherungspflicht und Vergütung. Weiterhin kann die Praktikumsdauer Einfluss auf die Bezahlung eines freiwilligen Praktikums nehmen: So besteht bei einer Dauer von mehr als drei Monaten der Anspruch auf Mindestlohn.

Da bei einem freiwilligen Praktikum eine Vergütung nach dem aktuellen Mindestlohn nach drei Monaten verpflichtend ist, sollten Sie auch diese Angaben zwingend im Vertrag festhalten. Falls Sie als Unternehmen generell eine Vergütung auszahlen, können Sie auch diese schriftlich festhalten. Weiterhin müssen Sie beachten, dass auch ein Anspruch auf Urlaub und eine Versicherungspflicht bestehen kann, welche vertraglich fixiert werden sollten.

Vorlage: Muster Praktikumsvertrag

Diese Vorlage dient lediglich als Orientierungshilfe für einen Praktikumsvertrag. Es besteht keine Garantie für Vollständigkeit und rechtliche Korrektheit.

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Praktikumsvertrag

Zwischen dem Praktikumsgeber/-betrieb

Name: Traumfirma

Anschrift: Firmaweg X

Telefon: 12345

 

Schule/Universität

Name: Phantasieschule

Anschrift: Phantasiestraße X

Telefon: 12345

 

und dem Praktikanten

Name und Vorname: Maria Musterfrau

Anschrift: Musterstraße X

Telefon: 12345 

wird folgender Praktikumsvertrag geschlossen:

§ 1 Dauer des Praktikums

  • Das Praktikum dauert X Wochen und ist vom (TT.MM.JJJJ) bis zum (TT.MM.JJJJ) durchzuführen.
  • Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt X Stunden.
  • Arbeitszeiten und Pausen entsprechen denen eines Auszubildenden der Branche und werden zwischen den Vertragspartnern individuell abgestimmt. Ansonsten gel­ten die üblichen Fürsorgepflichten des Betriebsinhabers und seiner Mitarbeiter ge­genüber einem Auszubildenden.
  • Branchenübliche Überstunden werden in geringem Umfang durch Vertragsunter­zeich­nung akzeptiert.?

§ 2 Inhalt und Zweck des Praktikums

  • Der Praktikant / die Praktikantin soll im vereinbarten Zeitraum einen Einblick in die nor­mal anfallende betrieblichen Tätigkeiten erhalten und auferlegte Aufgaben möglichst selbstän­dig und gewissenhaft durchführen. Dabei werden die Anforderungen an einen durchschnittlichen Auszubildenden der Branche angelegt.?

§ 3 Pflichten des Praktikanten / der Praktikantin

  • Der Praktikant / die Praktikantin verpflichtet sich, alle angebotenen Ausbildungsmög­lichkeiten zum Erreichen des Ausbildungsziels sorgsam wahrzu­nehmen.
  • Den Weisungen der betrieblichen Ausbilder oder deren Beauftragten ist unbedingt Folge zu leisten.
  • Der Praktikant / die Praktikantin verpflichtet sich, die ihm / ihr im Rahmen des Prakti­kums übertragenen Arbeiten gewissenhaft auszuführen.
  • Die Vorschriften über die Ordnung im Betrieb und Unfallverhütungsvorschriften sind unbedingt zu beachten.
  • Einrichtungen des Betriebes und Materialien sind pfleglich zu behandeln.
  • Die Interessen des Betriebes sind zu wahren und über Betriebsvorgänge ist jeder­zeit auch nach Vertragsbeendigung Stillschweigen zu bewahren.
  • Bei Fernbleiben ist der Praktikumsbetrieb unter Angabe des Grundes unverzüglich zu benachrichtigen und im Falle einer Erkrankung spätestens am dritten Tag eine ärzt­liche Bescheinigung vorzulegen.

§ 5 Pflichten des Praktikumsbetriebes

  • Der Praktikumsbetrieb soll ermöglichen, dass dem/der Praktikanten/in die in § 2 be­schriebenen Praktikumsinhalte und die hierfür erforderlichen Fertigkeiten und Kennt­nisse vermittelt werden.
  • Dem Praktikanten / der Praktikantin sind Tätigkeiten zu übertragen, die dem Prak­tikumszwecke dienen und seinen körperlichen Kräften angemessen sind.
  • Der Praktikumsbetrieb soll einen Betreuer benennen, der gemeinsam mit der Schule und dem/der Schüler/in einen Ablaufplan erstellt und ihn während des Prak­tikums fachlich und organisatorisch betreut.
  • Der Praktikumsbetrieb soll der fachlich betreuenden Lehrkraft der Schule auf Verlan­gen den Besuch des Praktikanten / der Praktikantin am Praxisplatz erlau­ben.
  • Der Praktikumsbetrieb soll die Schule von einer vorzeitigen Beendigung des Ver­trages oder vom Nichtantreten sowie von Unfällen, die mit dem Praktikum zusammen­hängen, unverzüglich unterrichten.
  • Der Praktikumsbetrieb stellt dem Praktikanten / der Praktikantin ein qualifiziertes Zeug­nis über die Tätigkeit und die Leistung während des Praktikums kurzfristig nach Praktikumsende aus. Insbesondere soll das Zeugnis Informationen über die Ein­satzbereitschaft, die Teamfähigkeit, die Selbständigkeit, die Kreativität, die Auf­fassungsgabe und die Qualität der Arbeitsleistung enthalten. 

Bei Minderjährigen Praktikanten kann eine Erstuntersuchung nach § 33 JArbSchG un­terbleiben, da die Praktikumsdauer weniger als zwei Monate beträgt und ausschließ­lich Arbeiten zu verrichten sind, die keine gesundheitlichen Nachteile für den Praktikanten / die Praktikantin erwarten lassen.?

§ 6 Vergütung

  • Das Praktikum erfolgt unentgeltlich. 
  • Fahrtkosten, Kost / Logis wird vom Praktikumsbetrieb nicht gezahlt. 

?§ 7 Urlaub

Während der Vertragsdauer steht dem Schüler / der Schülerin / dem Student/ der Studentin kein Erholungsurlaub zu.

§ 8 Kündigung des Praktikumsverhältnisses

Eine vorzeitige Auflösung des Praktikumsverhältnisses ist bei wiederholtem, schwerwiegen­dem Fehlverhalten durch die Vertragspartner in Absprache mit der betreuen­den Lehrkraft schriftlich möglich.

§ 9 Versicherung und Haftung

  • Der Praktikant / die Praktikantin ist während des Praktikums in der Ausbildungs­stelle gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 8b SGB VII gesetzlich unfallversichert. Im Versicherungs­fall übermittelt die Praktikumsstelle der Schule eine Kopie der Unfallan­zeige.
  • Krankenversicherungsschutz besteht durch die Mitversicherung bei den Eltern bzw. ggf. durch eine eigene Krankenversicherung. Bei dem ausbildungsbegleitenden Prakti­kum handelt es sich nicht um eine versicherungspflichtige Tätigkeit. Nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V ist die Versicherungspflicht als Arbeitnehmer ausgeschlossen.
  • Haftpflichtansprüche bei Schäden, die im Betrieb von Praktikantin / Praktikant verur­sacht wurden, müssen zwischen dem Betrieb und Praktikanten geregelt. 

§ 10 Betreuer / Ansprechpartner

Ansprechpartner des Betriebes für die Praktikumsdurchführung ist: (NAME, VORNAME)

Ansprechpartner der Schule für die Praktikumsbetreuung ist: (NAME, VORNAME)

§ 11 Sonstiges

  • Zusatzvereinbarungen bedürfen der Schriftform und sind von beiden Vertrags­parteien und der Schule zu unterschreiben.
  • Ein Arbeitsverhältnis wird auch durch diesen Vertrag nicht begründet.
  • Dieser Praktikumsvertrag begründet für die Ausbildungsstelle keinen Anspruch auf Erstattung von Kosten, die bei der Erfüllung dieses Vertrages entstehen. Dies gilt nicht, soweit es sich um Schadensfälle handelt, die in die Haftpflicht des Praktikan­ten / der Praktikantin fallen.
  • Dieser Vertrag wird in drei Ausfertigungen unterzeichnet. Jeder Vertragspartner er­hält ein Exemplar, das dritte ist von der Schule aufzubewahren.

Unschrift Unternehmen/Firma

Unterschrift Praktikant