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Arbeitsrecht: Rechte und Pflichten im Praktikum

Anastasia Johlen am 28.11.2018
ca. 988 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 35 Sekunden
Arbeitsrecht: Rechte und Pflichten im Praktikum
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Inhalt:
  1. Rechtliche Grundlagen im Praktikum
  2. Recht auf einen Praktikumsvertrag
  3. Recht auf Bezahlung besteht in einigen Fällen
  4. Urlaubsanspruch: Recht auf Urlaub im Praktikum
  5. Recht auf Krankmeldung
  6. Recht auf ein Praktikumszeugnis
  7. Recht auf Kündigung
  8. Pflicht des Praktikanten: Sorgsam und gewissenhaft arbeiten

Praktika sind eine begehrte Möglichkeit für den Berufseinstieg: Besonders junge Menschen nutzen ein Praktikum als Einstieg in den Job. Durch Praktika werden Erfahrungen gesammelt, welche später während der Bewerbung und im Job hilfreich sein können. In der heutigen Berufswelt gehört mindestens ein Praktikum im Lebenslauf zum guten Ton. Leider kann es auch passieren, dass Sie als Praktikant an ein Unternehmen geraten, das Sie schamlos als billige Arbeitskraft ausnimmt. Oft sind Praktikanten der Meinung, dass sie keine Ansprüche und Rechte haben. Doch das ist falsch! Hier erfahren Sie, welche Rechte & Pflichten Praktikanten haben.

Rechtliche Grundlagen im Praktikum

Absolvieren Sie ein Praktikum im Rahmen eines Studiums, ist dies ein Pflichtpraktikum, welches rechtlich zu den Ausbildungszeiten zählt. Damit haben Sie weder einen Anspruch auf Urlaub, noch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Bei Praktika vor und nach dem Studium handelt es sich generell um Praktika, welche wie normale Arbeitsverhältnisse zu behandeln sind. Es besteht somit ein Anspruch auf Gehalt und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Recht auf einen Praktikumsvertrag

Sollte Ihnen der Praktikumsbetrieb keinen Praktikumsvertrag anbieten, dann sollten Sie in jedem Fall auf diesen Vertrag bestehen. Denn nur mit dem Praktikumsvertrag haben Sie das Praktikum und alle anderen Rechte in der Hand. So wird im Praktikumsvertrag die Dauer des Praktikums geregelt, der Urlaubsanspruch, die Regelungen bei Krankheit, die Kündigungsfrist und weitere wichtige Punkte.

Recht auf Bezahlung besteht in einigen Fällen

Das Recht auf Bezahlung während des Praktikums besteht insbesondere bei sogenannten freiwilligen Praktika. Somit besteht ein Anspruch, wenn vielmehr die Arbeitsleistung im Vordergrund steht, als die Vermittlung neuer Kenntnisse. Diese freiwilligen Praktika finden in der Regel nach dem Abschluss des Studium statt. Bei einem freiwilligen Praktikum, das länger als drei Monate dauert, steht dem Praktikanten der Mindestlohn zu.

Ausgenommen von der Bezahlung sind:

  • Pflichtpraktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium
  • Freiwillige Praktika begleitend zu Studium oder Ausbildung bis zu drei Monate
  • Freiwillige Praktika zur Orientierung von Beruf oder Studium
  • Praxisphasen während eines dualen Studiums, generell bei ausbildungsintegrierten Studiengängen
  • vom Mindestlohn sind alle unter 18 Jahren ausgeschlossen, falls noch keine abgeschlossen Berufsausbildung besteht

Urlaubsanspruch: Recht auf Urlaub im Praktikum

Auch während eines Praktikums haben Sie generell einen Anspruch auf Erholungsurlaub. Jedoch bestimmen auch hier Ausnahmen die Regel: So unterliegen Sie während eines Pflichtpraktikums keinem arbeitsrechtlichen Schutz, dadurch besteht kein Anspruch auf Urlaub.

Hingegen gelten während eines freiwilligen Praktikums die gleichen Rechte, wie bei anderen Arbeitnehmern. Abhängig von der Praktikumsdauer entsteht der Urlaubsanspruch: Als Praktikant eines freiwilligen Praktikums haben Sie einen Urlaubsanspruch von 24 Tagen im Kalenderjahr, also zwei Tage pro Monat. Absolvieren Sie ein Jahrespraktikum haben Sie 24 Urlaubstage, bei einem halben Jahr verringern sich die Erholungstage auf 12.

Recht auf Krankmeldung

Hat es Sie während des Praktikums erwischt, müssen Sie sich nicht krank zum Praktikumsbetrieb schleppen. Denn das ist keine gute Idee: Ihr Körper braucht Ruhe um gesund zu werden, zusätzlich Laufen Sie in Gefahr andere Mitarbeiter anzustecken. Auch wenn Sie ein Praktikum ausüben, dürfen Sie zu Hause bleiben. Dafür müssen Sie sich bei dem Praktikumsbetrieb abmelden, am besten per Telefon bei Ihrem Vorgesetzten. Die Krankmeldung sollte so schnell, wie nur möglich erfolgen, damit Ihr Arbeitgeber über Ihr Fehlen in Kenntnis gesetzt wird und dies im Unternehmen einplanen kann.

Nicht in jedem Fall ist eine ärztliche Bescheinigung notwenig, das hängt ganz von den betrieblichen Bedingungen ab. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall bei Ihrem Vorgesetzten oder werfen Sie einen Blick in Ihr Praktikumszeugnis, denn auch dort sollte geregelt sein, wie bei einer Krankheit vorzugehen ist.

Recht auf ein Praktikumszeugnis

Am Ende des Praktikums steht Ihnen ein Zeugnis zu. Dieses Zeugnis kann sich nach Art des Praktikums unterscheiden: Bei einem Pflichtpraktikum handelt es sich in der Regel mehr um eine Bescheinigung, dass Sie für einen bestimmten Zeitraum in dem Unternehmen ein Praktikum absolviert haben. Hingegen ist das Praktikumszeugnis bei einem freiwilligen Praktikum mit einem qualifizierten Arbeitszeugnis gleichzustellen. Dort können Tätigkeitsbeschreibungen während des Praktikums und Beurteilungen entnommen. Ebenfalls enthält das Praktikumszeugnis in dem Fall eine Bewertung der Leistungen und des Sozialverhaltens während der Praktikumszeit.

Zentral bei einem Praktikumszeugnis ist die gewählte Sprache, denn vieles steht hierbei im Subtext. Auf den ersten Blick scheint es keine Mangel an Ihrem Verhalten zu geben, doch hinter den gewählten Formulierungen und Ausdrücken verstecken sich bestimmte Bedeutungen, welche andere Arbeitgeber in der Regel verstehen.

Recht auf Kündigung

Wurde zu Beginn keine Kündigungsfrist vereinbar, dann haben Sie jederzeit das Recht zu kündigen. So können Sie das Praktikum sofort abbrechen, falls es nicht Ihren Vorstellungen entspricht und Sie etwa das Gefühl haben nichts zu lernen. Es ist nicht Sinn und Zweck eines Praktikums als Servicekraft anderer Mitarbeiter eingesetzt zu werden und nur fürs Kaffeekochen verantwortlich zu sein.

Bei freiwilligen Praktika besteht in der Regel von beiden Seiten eine fristlose Kündigungsmöglichkeit während der festgelegten Probezeit. Ist die Probezeit abgelaufen, müssen Sie das Praktikum bis zum Ende durchziehen. Ebenso kann Sie der Arbeitgeber nicht nach der Probezeit kündigen, auch nicht aufgrund von nicht erbrachter Leistung oder schlechter Arbeitsmoral. Denn während des Praktikums sind Sie nicht für Arbeitsleistungen vor Ort, hingegen sieht das bei Werkstudenten anders aus.

Pflicht des Praktikanten: Sorgsam und gewissenhaft arbeiten

Auch wenn Sie keine Bezahlung erhalten, sollten Sie sehr gute Arbeit leisten. Ebenfalls sollten Sie den Anweisungen des Praktikumsbetriebs nachkommen und die Aufgaben gewissenhaft und sorgsam durchführen. Denn auch als Praktikant haben Sie Pflichten zu erfüllen. Es scheint somit wenig sinnvoll, sich für ein Praktikum zu bewerben, wenn kein Interesse besteht.

Damit Sie auch gerne entsprechende Leistungen erbringen, sollten Sie ein Praktikum wählen, dass Ihnen zu sagt. Für das passende Praktikum könnten folgende Fragen hilfreich sein: Möchten Sie in Zukunft in einem bestimmten Beruf tätig sein? Haben Sie bereits gute Erfahrungen in einer Berufsbranche erlebt? Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Bedenken Sie also während Ihres Praktikums, dass Sie nicht nur eine billige Arbeitskraft sind, sondern in einigen Fällen auch bestimmte Rechte haben. Lassen Sie sich nicht ausbeuten, sondern ziehen Sie einen positiven Nutzen aus Ihrem Praktikum. Manchmal hilft es, das Unternehmen direkt auf Probleme anzusprechen, so lassen sich Diskrepanzen schnell klären.